Ich schreibe. Ich schreibe täglich. Ich schreibe gern.
Schreiben ist Atmen, ist Notwendigkeit, ist Hobby.
Schreiben tut gut und verbindet mich.
Hier zeige ich einige Texte aus den letzten Wochen und ich freue mich über Rückmeldungen und Hinweise. Ich bin neugierig auf die Wirkung dessen, was ich schreibend sage.
Meine Schreiborte sind vielfältig, ich bin Gründungsmitglied in zwei Schreibgruppen, die sich analog treffen, und in einer Onlinegruppe. Meine S-Bahnfahrten sind ebenso Schreibzeit wie die Momente, in denen ich mich Stift und Papier überlasse.
Manchmal nehme ich an Kursen und Workshops teil, genieße die Inspiration und das Miteinder. Von 2020 bis 2026 habe ich Kurse und Workshops zum Kreativen Schreiben an der Volkshochschule Dortmund geleitet.
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Texte:
Rita
Rita hatte gelächelt, als sie sich den Tag ausgemalt hatte, die erste Begegnung, das Hallo, die ersten Sätze. Vielleicht Zitate aus dem gemeinsamen Lieblingsbuch? Jane Eyre, was für ein Zeichen. Dies hält sie jetzt in der Hand, den Titel sichtbar für die Passagiere. Er ist nicht dabei, sein Lächeln hat sich nicht aus der Menge gelöst. Rita steht auf dem Bahnsteig. Eine Nachricht von ihm: Rita, Schatz, ich habe den Zug verpasst, ich komme im nächsten. Bitte verzeih mir.
Rita schließt die Nachricht. Dies widerspricht ihrer Idee von Leben, Rita hat Prinzipien, sie kann zu früh kommen nicht leiden, Verspätung duldet sie nicht. Rita packt das Buch in die Tasche und verlässt den Bahnsteig. Er wird nie wieder eine Antwort von Rita bekommen. Er hat gegen ihre Prinzipien verstoßen. Rita wird alleine bleiben und noch viele Jahre leben, Bücher lesen und von Jane Eyre träumen.
Sie wird nicht sein elftes Opfer.
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Rausgeflogen
Er steht allein auf der Straße. Er muss sich konzentrieren. Sei es die GPS-Verbindung nicht mehr gibt, ist er auf sein Gedächtnis angewiesen, auf die gespeicherten Bilder, die er jetzt aufruft und mit dem vergleicht, was er sieht.
Zum Glück kann er auch lesen: Aplerbecker Straße, das ist sein Standort, weitere Daten dazu sind nicht in seiner Datenbank. Was heißt es, auf der Aplerbecker Straße zu stehen? Er weiß es nicht, er freut sich nur, die gedruckte Menschenschrift lesen zu können. Er ist ein T1500, ein frühes Modell; diese wurden mit der Funktion ausgestattet. Die späteren Modelle können nicht lesen.
Jetzt muss er Bilder übereinander legen, die Straßen, die Kreuzungen, die Häuser. Die Bilder, die er sieht und die aus seinem Speicher. Er weiß, dass die Häuser leer sind. Alle sind verlassen, seine Sensoren bleiben stumm.
Wie lange schon? Er erinnert sich nicht, seine Erinnerungsfunktionen sind eingeschränkt. Er ist nicht für Lernen programmiert worden. Er muss sich jetzt orientieren. Wo ist er? Er legt Bilder übereinander. Ein grüner Rahmen, das Haus passt zu seiner Datenbank. Dieser grüne Rahmen löst Ruhe aus, eine Menschenreaktion. Er weiß das, er hatte in langweiligen Nächten Zugang zu seiner Nutzungstabelle gefunden.
Viele rote Rahmen, wenig Passung, einige grüne, einige Häuser, die noch stehen aus einer lange vergangenen Zeit. Es ist so viel verändert, dicht bebaut, dicht bestückt mit großen weißen Kästen, was zu wenigen grünen Rahmen führt. Laut Kompass geht er nach Norden, seine Schritte sind kurz, der Sicherheitsschritt für besondere Lagen und für Notsituationen, vom T1500 nicht selbst zu steuern.
Die Stille ist ohne Bedeutung für ihn. Das Ausbleiben weiterer Informationen schont außerdem den Akku. Er hat keinen Auftrag und keine Aufgabe mehr, seit die Menschen verschwunden sind, deren Maschine er war. Er hat seine restlichen Aufgaben erfüllt, die Menschen begraben, sich abends an den Ladeplatz begeben und das Haus bewacht und gewartet.
Seine Sensoren zeigen dauerhaft 42°C an.
Nun läuft das Programm Suchbewegung, deswegen läuft er jetzt die Aplerbecker Straße entlang von einem grünen Rahmen in seinem Inneren zum nächsten, nach Norden durch die menschenleere Stadt.
Niemand sieht ihn. Er folgt der programmierten Suchbewegung mit den Bildern der Straße aus einer vergangenen Zeit, die ihn an eine Brücke bringt, ein weiterer letzter grüner Rahmen leuchtet auf. Der Schuss aus der Vorrichtung des T2000 zerstört seinen Akku. Er bewegt sich nicht mehr und schließlich kippt er langsam von der Brücke.
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September
Stiller Himmel ein leichter Regen fällt
die Menschen klagen jammern so viel Streit
friedlich früher Herbsttag schon bunt die Welt
so schöne Augen so gemeiner Neid
Die Menschen klagen jammern so viel Streit
Blätter fallen grün raschelnd die Warnung
So schöne Augen so gemeiner Neid
durch die Welt geht schon wispernd die Ahnung.
Blätter fallen grün raschelnd die Warnung
Ins Gesicht fällt nur Licht vom Telefon
durch die Welt geht schon wispernd die Ahnung
Stiefelstampf von fern dumpf und monoton
Ins Gesicht fällt nur Licht vom Telefon
friedlich früher Herbsttag schon bunt die Welt
Stiefelstampf von fern dumpf und monoton
stiller Himmel ein leichter Regen fällt
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